Liebe Schwestern und Brüder,
am 9. Februar begeht die Kirche den Gedenktag der Heiligen Apollonia, einer Märtyrerin des 3. Jahrhunderts, der unsere Kirche im Oberdorf geweiht ist.
Apollonia wurde der Legende nach bei einem Pogrom von der aufgehetzten Menge zusammen mit anderen Christen verschleppt. Christen wurden damals aus den Häusern geholt, Wohnungen geplündert und zerstört. Von Apollonia berichtete Bischof Dionysius, dass ihr die Zähne ausgeschlagen und die Kinnlade zertrümmert wurde. Man drohte ihr mit Verbrennung auf dem Scheiterhaufen und verlangte, dass sie dem Glauben abschwöre. Apollonia aber ging - nach dem Bericht des Hl. Augustinus - betend freiwillig in die Flammen und verbrannte. So wird sie zumeist mit einer Zahnspange oder auch mit Feuerflammen dargestellt. In der Volksfrömmigkeit wird sie gerne bei Zahnschmerzen um Hilfe angerufen.
Welche Bedeutung hat die heilige Apollonia heute, in einer Zeit, in der moderne Behandlungsmethoden und Anästhetika Zahnschmerzen zwar nicht komplett beseitigt, aber anders als im Mittelalter zumindest erheblich reduziert haben?
Was zuallererst an der heiligen Apollonia auffällt, dass ist ihre Kraft und Beharrlichkeit im Glauben. Selbst unter stärksten Bedrohungen, Gewalt, ja dem angedrohten Tod, weicht sie nicht von dem ab, was sie als wahr und als Fülle des Lebens erkannt hat. Damit steht sie ganz gegen den Trend unserer Zeit, in der heute dies und morgen das für bare Münze genommen wird. Bei Gott lohnt es sich, alles auf die eine Karte des ewigen Lebens zu setzen. Darüber hinaus zeigt ihr Patronat bei Zahnschmerzen, dass es einen Unterschied zwischen Gesundheit und Heil gibt: Die Gesundheit ist wichtig, schmerzende Zähne tun weh und müssen durch Fachleute behandelt werden. Aber selbst das perfekt sanierte Gebiss erwirkt kein Heil. Auf diese größere Dimension des Heils - des Bewusstseins Quelle, Weg und Ziel des Lebens in Gott zu suchen und zu finden – darauf weist die Heilige mit der Zahnzange auch heute noch hin.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pastor